Insider sehen die Allianz beim Rennen um die Kauf der Postbank vorn.
Ein wichtiges Argument für das Versicherungsunternehmen nennt das Handelsblatt: Der Börsenwert von 50 Milliarden Euro macht das höchstbewertete Unternehmen Deutschlands wenig anfällig für feindliche Übernahmen aus dem Ausland. Das ist bei der Commerzbank mit einem Wert von nur elf Milliarden Euro nicht unbedingt der Fall. Für den Bund handelt es sich um eine strategische Entscheidung; der Käufer der Postbank soll als zweiter „nationaler Champion“ im Bankensektor neben der Deutschen Bank aufgebaut werden. Die hierzulande sehr fragmentierte Finanzbranche könnte einen solchen wohl gut gebrauchen.
Auf der Ebene der operativen Geschäfts würde eine Fusion mit der Allianz ein Zusammgehen mit deren Tochterunternehmen Dresdner Bank bedeuten. Seit 2007 hat die Postbank bereits eine Vertriebspartnerschaft mit dem Versicherungsanbieter Huk Coburg. Die Huk ist nun ein Konkurrent der Allianz. Vielleicht könnte dies ein Problem für eine Übernahme sein. Die Postbank gehört zur Zeit noch mehrheitlich (genau genommen zu 50% plus einer Aktie) der Post AG. Der Staat hat noch Aktien, seit 2005 aber nicht mehr die Aktienmehrheit. Daher entscheidet auch nicht das Wirtschaftsministerium, sondern die Bank selbst über ihren Fusionspartner. Als Berater hat der Vorstand die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley eingesetzt.
Die Postbank ist stark im Privatenkundengeschäft engagiert und mit 14,5 Millionen Kunden und 850 Fillialen (Wikipedia) eines der größten deutschen Bankhäuser. Durch einen Zusammenschluss mit der Dresdner würde die größte deutsche Filialbank geschaffen werden. Die Aktie der Postbank war erst im September 2006 in den DAX aufgenommen worden. Die Papier stand zuletzt bei 58,10 Euro. Von der Kreditkrise ist das Institut fast nicht betroffen worden. Im Verlauf der letzten Monate hat sich nur ein unwesentlicher Kursverlust ergeben, und im 6-Monats-Vergleich steht die Aktie deutlich im Plus.
Die Probleme von Carlyle könnten erst der Anfang sein. Angst vor Domino-Effekt
Hedge-Fonds sind für ihre waghalsigen Investment-Strategien bekannt. Die Carlyle Capital Corp. hat aber scheinbar nichts falsch gemacht. Von den bekannten amerikanischen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac erwarb das Unternehmen Hypotheken im Gesamtwert von rund 22 Mrd. Dollar. Die Anleihen waren mit AAA bewertet worden. Doch das schiere Ausmaß der Kreditkrise wurde Carlyle zum Verhängnis: Auch diese beileibe nicht als “Subprime” zu bezeichnenden Kredite wurden mit den abrutschenden Immobilienpreisen immer weniger wert. Carlyle verfügte aber wie die meisten Hedge-Fonds über sehr wenig Eigenkapital. Die Kreditgeber verlangten auf Grund des Wertverfalls zusätzliche Sicherheiten, die aber eben nicht gegeben werden können. Die vergleichsweise geringe Summe von geforderten 400 Millionen US-Dollar als zusätzliche Sicherheit könnte nun das Ende des Unternehmens bedeuten.
Carlyle wird seine Schulden nun also aus Notverkäufen begleichen müssen. Da dies wiederum die Preissituation auf dem Kreditmarkt verschlechtern wird, stellt die Neue Zürcher Zeitung folgerichtig die Frage, ob nun ein Dominoeffekt zu befürchten sei. In einem Interview mit dem Finanzexperten und ehemaligem Harvard-Professor George Chacko konnten diese Zweifel auch nicht ganz ausgeräumt werden. Chacko beschreibt folgendes Szenario, das teilweise schon eingetreten ist: Infolge des Werteverfalls ihrer Immobilienkredite brauchen viele Banken neues Eigenkapital. Also kündigen sie einen Teil ihrer Kredite, und das betrifft zu einem gewissen Prozentsatz immer auch die Hedge-Fonds. Diese wiederum müssen ebenfalls ihre Auslagen wieder hereinholen, um die Forderungen der Banken bedienen zu können. Das wiederum führt auf den entsprechenden Märkten, der Immobilienmarkt ist einer davon, zu fallenden Preisen. Dieser klassische Domino-Effekt könnte tatsächlich das Ende weiterer Hedge-Fonds mit weniger soliden Finanzierungsmodellen bedeuten.
Rückzahlung eines 4 Mrd. Euro schweren Darlehens seit Donnerstag offen
Der Investor Harry Macklowe hatte die Summe zum Ankauf von sieben Immobilien in Manhattan (NY) benötigt. Die Kaufsumme von 7 Mrd. Dollar war bis auf 50 Millionen Eigenkapital ausschließlich durch den Kredit bei der Deutschen Bank und ein weiteres Darlehen abgesichert worden. Die Immobilienkrise hatte zu steigenden Zinsen auf diese Kredite geführt, während die Mieten in Manhattan zur gleichen Zeit sanken. Das auf Grund der geringen Eigenkapitaldecke recht riskante Geschäft ging deswegen schief. Nachdem sich Zahlungsschwierigkeiten abzeichneten, hatte die Bank eine Umschuldung erwogen. Verhandlungen hierzu wurden jedoch am Freitag ergebnislos abgebrochen. Zunächst ist die Bank dadurch vor größeren Ausfällen geschützt, dass Macklowe den Immobilienbesitz als Sicherheit abtrat (via ftd).
Trotz dieses Einzelfalls sieht sich die Deutsche Bank nicht vor einem Gewinneinbruch. Die Anleger sehen das ähnlich. So blieb der Frankfurter Kurs der DB-Aktie am Freitag auch unberührt von den schlechten Nachrichten. Ein Anstieg um 0,8 Prozent führte zu einem derzeitigen Wert des Papiers von 75,87 Euro. Die Deutsche Bank bietet Anlegern eine stattliche Dividendenrendite von 5,94 Prozent. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, sind die großen Wertsprünge jedoch wohl vorerst vorbei. Nachdem die Aktie in 2003 um sagenhafte 44,04 Prozent und 2006 immerhin noch um 22,83 Prozent zugelegt hatte, ergab sich im letzten Jahr aus den bekannten Gründen ein Verlust von 12,27 Prozent. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Allein in den letzten sechs Wochen verlor das Papier ganze 15,13 Prozentpunkte. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser allein der Kreditkrise geschuldete Absturz so schnell wieder aufgefangen wird, wie er gekommen ist: Mitte Mai (11.5.) lag die Aktie nämlich noch bei einem Allzeithoch von 117,96 Euro.
Rentenfonds haben den Ruf, den Kunden vergleichsweise geringe aber sichere Erträge zu bieten. Der Grund dafür ist einerseits, dass dieses Anlagemodell auf festverzinsten Schuldverschreibungen basiert. Zudem wird ein Großteil der Beträge von den Fondsanbietern in Anleihen mit hoher Bonität investiert. Die Kehrseite dieser vermeintlichen Sicherheit ist die Abhängigkeit von den Leitzinsen in der jeweiligen Währung: Bei steigenden Leitzinsen können die Zinssätze, die in den Schuldverschreibungen vereinbart wurden, an Attraktivität verlieren. Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen in Folge der amerikanischen Bankenkrise sind ein Beispiel für eine solche Gefährdung der Gewinne von Rentenfonds. Tatsächlich ist es fragwürdig, ob Rentenfonds zum Beispiel mit den ebenfalls auf Ertragssicherheit angelegten staatlichen Bundesschatzbriefen mithalten können. Deren Vorteil sind wesentlich günstigere Verwaltungsgebühren. Im Gegensatz zu Aktienfonds, welche die Gebühren durch deutlich höhere Gewinnmargen unbedeutend machen, fallen Rentenpapiere aus diesem Grund häufig ins Minus.
Als einer der momentan erfolgreichsten Anbieter konnte die KBS Bonds Euro Candidates im abgelaufenen Jahr eine Rendite von knapp sechs Prozent erwirtschaften. Auch hier jedoch war die Profitabilität der angebotenen Papiere nicht zu jeder Zeit ständig gewährleistet. Der November brachte, wie das Handelsblatt berichtet, für KBS ein Minus von 0,84 Prozent. Die Gründe dafür sind ist möglicherweise in der aktuellen Finanzkrise zu suchen. Gerade diese führt jedoch Ralph Schreyer, Chef des Fondsanbieters DWS Euro Strategie, als Argument für sein Anlagemodell an: “Die derzeitige Unsicherheit über die globale wirtschaftliche Entwicklung ist kein gutes Umfeld für risikoreiche Investments”. Insbesondere im Immobilienbereich sieht Schreyer für seinen eigenen Fonds vor allem die Möglichkeit, auf dem britischen Markt zu investieren.
Vier Landesbanken werden in den nächsten Jahren fusionieren.
In der Nacht zum Donnerstag unterzeichnete der Ministerpräsident eine Vereinbarung über den Verkauf der öffentlich-rechtlichen Sachsen LB an die Landesbank Baden-Württemberg. Damit fanden Spekulationen ein Ende, das Institut könnte ganz geschlossen werden.
Die Sachsen-LB war in finanzielle Not geraten, nachdem Kreditgeschäfte einer irischen Tochterbank in Höhe von umgerechnet 43 Milliarden Euro in den USA im Zuge der Kreditkrise unsicher geworden waren. Dieser Risikobetrag wird als zu hoch für die Sachsen LB angesehen, deren eigener Wert (inklusive ihrer Eigenmittel) in Verkaufverhandlungen mit der LBBW auf unter eine Milliarde Euro taxiert. Tagesschau.de berichtete am Donnerstag, der vereinbarte Kaufpreis betrage 328 Millionen Euro. Die nun getroffene Vereinbarung sieht eine Bürgschaft des Landes Sachsen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro, und eine weitergehende Haftung über sechs Milliarden im Notfall vor. Darüber hinaus zahlt das Land der Bank rund eine halbe Milliarde an neuem Eigenkapital. Der neue Eigner, die LB Baden-Württemberg, muss als nachrangiger Bürge nur bei darüber hinausgehenden Verlusten aushelfen.
Auch weiter nördlich kommt in Folge der amerikanischen Kreditkrise Bewegung in das System der Landesbanken. Für die angeschlagene Mittelstandssparte der deutschen Industriebank IKB meldete am Donnerstag die Landesbank WestLB Interesse an. Die zu 38% im Besitz der staatlichen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) befindliche Bank war ebenfalls durch ein Kreditgeschäft über acht Milliarden Euro in eine finanzielle Schieflage geraten. Der Vorschlag kommt nur kurze Zeit nach der Bekanntgabe der WestLB, eine Fusion mit der Hessisch-Thüringischen Landesbank Helaba anzustreben. Hessens Ministerpräsident Koch äußerte sich in einem Interview mit dem Handelsblatt positiv über die geplante Zusammenlegung. Er hob vor allem den Größenzuwachs der relativen kleinen Helaba durch die Fusion hervor.